sanierung wohnhaus, stahlbausystem MINI

auftraggeberprivat
architekt2bm architekten gmbh, ch-4502 solothurn
denkmalpflegedenkmalpflege des kantons bern, rolf weber
fachplanermebatech ag, fassadenplanung, ch-5400 baden
tp, ag für technische planungen, ch-2500 biel
zimmermann +leuthe, bauphysiker sia, ch-4583 aetigkofen
bauzeit2012 – 2013
ausgangslagedas wohnhaus mit garage und überdachtem eingangsbereich wurde 1971 vom büro fritz haller architekt bsa erbaut und 1994 teilweise saniert. im jahre 2000 wurde die anlage durch ein gästehaus erweitert. seit 2005 ist die gesamtanlage von der denkmalpflege als schützenswert eingestuft. die gebäude wurden mit dem 1967 vom büro haller in zusammenarbeit mit der firma usm u.schärer söhne ag entwickelten stahlbausystem MINI erstellt. trotz regelmässiger unterhaltsarbeiten sind an der gebäudehülle korrosionsschäden aufgetreten. auch die behaglichkeit entsprach nicht mehr dem heutigen standard. die bauherrschaft hat sich deshalb entschlossen das wohnhaus von der 2bm architekten gmbh sanieren zu lassen. die sanierung der bauphysikalischen problemzonen unter beibehaltung der originalen konstruktionsprinzipien und wahrung des ursprünglichen erscheinungsbildes stellte eine grosse herausforderung dar. auf eine sorgfältige detailgestaltung wurde besonders wert gelegt.
projektbeschrieb, situationdas wohnhaus mit blick auf bielersee und st. petersinsel liegt an unverbaubarer hanglage oberhalb der südostseitigen uferzone. die garage mit dem überdachten eingangsbereich, das wohnhaus und das schwimmbecken sind parallel zum hang ausgerichtet. durch das zur hälfte ins erdreich versenkte sockelgeschoss wird das wohnhaus geschickt in die topografie eingefügt. eine brücke verbindet den, an die garage anschliessenden überdachten eingangsbereich mit dem freistehenden wohnhaus. das eingangsgeschoss wird durch eine kernzone mit garderobe, sanitärzelle und küche in einen grosszügigen wohn- und einen schlafbereich gegliedert. dem wohnbereich vorgelagert ist eine halbgeschossig über dem terrain schwebende, gedeckte terrasse. eine wendeltreppe führt in das sockelgeschoss. auch dieses wird durch die kernzone mit waschküche, sanitärzelle und technikraum in zwei bereiche, arbeiten und ruhen, unterteilt. das schwimmbecken ist zwischen terrasse und der hangseitigen stützmauer angeordnet. dadurch entsteht auf der nordseite des wohnhauses ein intimer, hofförmiger aussenraum, der über den gartenausgang im sockelgeschoss und eine zur terrasse führende wendeltreppe erschlossen wird. den nordöstlichen abschluss der gesamtanlage bildet das senkrecht zum hang ausgerichtete gästehaus mit dem gedeckten ebenerdigen sitzplatz.
stahlbausystem MINI, tragwerk und fassadenkonstruktiondas beim wohn- und gästehaus eingesetzte stahlbausystem MINI wird verwendet zum bau von ein- bis zweigeschossigen gebäuden mit spannweiten bis 8.40 meter. es besteht aus den elementgruppen tragwerk, boden, dachhaut und aussenwand. fundamente, untergeschoss und innenausbauteile werden objektspezifisch erstellt. das tragwerk aus stützen und trägern aus kaltverformten blechprofilen kann horizontal in alle richtungen erweitert werden. die elemente der aussenhaut sind demontierbar und im rahmen der modulordnung austauschbar. mit dem stahlbausystem MINI können bauten für unterschiedliche nutzungen erstellt werden, ateliers, büro-, schul-, verkaufs-, ausstellungs-pavillons, wartehallen und wohnhäuser. kurze bauzeiten und die raschen und einfachen um- und anbaumöglichkeiten sind vorteile dieses bausystems. problematisch sind die aus heutiger sicht unbefriedigenden bauphysikalischen eigenschaften. die lage des tragwerkes in der fassadenebene führt zu systembedingten wärmebrücken, die sich bei wahrung des ursprünglichen erscheinungsbildes nicht vollständig eliminieren lassen.
materialisierungdas bestehende material- und farbkonzept wurde bei der sanierung beibehalten. alle sichtbaren stahlbauteile sind innen und aussen mit eisenglimmerfarbe in «usm-grau» behandelt. der innenausbau (elementwände und unterdecke) besteht aus weiss gespritzten mdf-platten. am boden wurde in der kernzone «solothurner stein» verlegt auf den übrigen flächen ein hellgrauer teppich.
sanierungsbeschriebwohnhaus und garage wurden im sinne der werterhaltung in enger zusammenarbeit mit der denkmalpflege sanft saniert. der charakter der gebäude blieb innen und aussen erhalten. die herausforderung bestand darin, unter wahrung der denkmalpflegerischen aspekte folgende anforderungen bestmöglich zu erfüllen:
- behebung bauphysikalischer mängel (wärmebrücken, korrosionsstellen)
- entfernung von schadstoffen (asbest, pcb, formaldehyd)
- verbesserung des komfortes und der behaglichkeit (sommer/winter)
- reduktion des energieverbrauchs und der unterhaltskosten
- verbesserung der betriebssicherheit

die sanierung umfasste folgende arbeiten:
- verglasung des eingangbereiches (2010)
- erneuerung der fassade
der einbau der hochdämmenden 3-fachverglasung (u-wert 0.6w/m2k) bedingte den ersatz der bestehenden epdm-glashalterungen durch entspannte, thermisch getrennte profile. um das ursprüngliche erscheinungsbild zu erhalten wurde das wicona-standardprofil modifiziert und die äussere gummidichtung über das profil gezogen.
- erneuerung der dacheindeckung
die entwässerung des flachdaches über eine innenliegende rinne erlaubte bei gegebener dachrandhöhe einen wärmedurchgangskoeffizienten von 0.16w/m2k zu erreichen.
- erneuerung des innenausbaus
alle kontaminierten oder schadstoffhaltigen bauteile (formaldehydhaltige spanplatten in bodenkonstruktion, elementwände, asbesthaltige dämmschichten), wurden ersetzt. im erdgeschoss wurde zudem die nasszelle erneuert und den veränderten anforderungen angepasst. auch beim innenausbau achteten wir darauf, dass sowohl konstruktionsart als auch erschienungsbild soweit möglich erhalten blieben.
- erneuerung der haustechnischen installationen
alle haustechnischen installationen (elektro-, heizungs-, lüftungs- und sanitäranlagen, aussenstoren) wurden erneuert und den veränderten anforderungen angepasst. das ursprüngliche hlk-konzept wurde optimiert, in seinen grundzügen aber beibehalten. die wärmeverteilung erfolgt weiterhin mittels bodenheizung im sockelgeschoss zur deckung der grundlast und zusätzlich über die lüftung mit zuluftauslässen in der decke und ablufteinlässen am boden. aufgrund der gut gedämmten gebäudehülle konnten die heiztemperaturen gesenkt und der luftwechsel auf das zur hygienelüftung erforderliche mass beschränkt werden. die energieverluste werden durch die wärmerückgewinnung minimiert. anstelle der ölheizung erfolgt die wärmeerzeugung neu mittels erdsonden.
schlussbemerkungendie erfahrungen bei der gesamtsanierung dieses wohnhauses haben gezeigt, dass bei den, mit dem stahlbausystem MINI erstellten bauten, hohe anforderungen an behaglichkeit und energieeffizienz auch unter wahrung der denkmalpflegerischen aspekte erfüllt werden können. eine sanierung ist allerdings aufwändig und erfordert grosse sorgfalt in der detailbearbeitung sowie die bereitschaft, neue lösungen zu entwickeln. dazu braucht es die zusammenarbeit aller beteiligten planer und handwerker sowie eine bauherrschaft, die die architekturgeschichtliche bedeutung dieser bauten erkennt und auch in der lage und gewillt ist, die erforderlichen massnahmen zur erhaltung solcher kulturgüter umzusetzen.
publikationen - viso 4/2015, stilecht in die zukunft
2015, manuel pestalozzi, docu media schweiz gmbh, ch-8803 rüschlikon
- baukultur und energie, 2/2015, rückbauen, umbauen und ergänzen
2015, sabrina németh, schweizer heimatschutz, ch-8008 zürich
- fachwerk, modernisierung moderner bauten, beatrice stadelmann
2014, denkmalpflege des kantons bern, isbn 978-3-9523701-2-4